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LIPPETALER BEITRÄGE Teil 5.1. Ortsübergreifende Dokumentation und Reflexion des Zeitgeschehens zwischen 1929 und 1969
Vorwort
Kurz vor der Jahrtausendwende stellen sich viele heimatverbundene Menschen die Frage: Wo können jetzt und in Zukunft die Aufgaben für die Heimatpflege liegen? Die Heimatpflege wird getragen von Vereinen und Einzelpersonen. Sie ist in zahlreichen Teilbereichen und in ihrer Vielfalt angewiesen auf ehrenamtliche Mitstreiter, "Amateure" im wahren Wortsinn, die begeistert von den Anliegen und den Inhalten der Heimatpflege sind, und von der Sache her vielfach als "Profis" arbeiten. Die Heimatpfleger können den Menschen auf der Suche nach Heimat helfen, sie begleiten und für die Werte, die Heimat ausmachen, sensibilisieren. Nach den Ergebnissen einer 1999 veranstalteten Repräsentativumfrage des Magazins "Der Spiegel" hat für 56 Prozent der Befragten im Zeitalter der Globalisierung die Heimat an Bedeutung gewonnen, und als Heimat verstehen 89 Prozent der Deutschen nicht ihr Land, sondern die nähere Umwelt: den Ort, an dem sie leben, den Ort, an dem sie geboren sind, an dem ihre Familie und ihre Freunde sind. Etwas läßt besonders aufhorchen: nur 1 Prozent der 18-29jährigen Befragten verbindet das Land mit dem Begriff Heimat.
Gerade die jüngeren Menschen sind es auch, die besondere Ansprüche an die Heimatpfleger stellen. Ihnen genügt nicht das Mahnen und Auffordern, sie erwarten von der Heimatpflege gute Beispiele des tätigen Handelns, die dem Schutz unserer heimischen Natur und Kultur zugute kommen. Dies sind z. B. die Sicherung historischer Spuren, der behutsame Umgang mit erhaltenswerten Kulturgegenständen, Mitarbeit an der Erhaltung und Weiterentwicklung historischer Straßen, Plätze und Ortsbilder, Dokumentation der am Ort vorhandenen Erinnerung an vergangene Zeiten.
Diese Aufgaben, die seit dem Beginn der Heimatbewegung im 19. Jahrhundert zum Grundbestand der heimatpflegerischen Tätigkeit zählen, sind in der Chronik "Brockhausen im Kirchspiel Weslam. Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit" vorbildlich erfüllt. Fritz-Otto Peters hat minutiös das Leben und den Alltag in seinem Heimatort Brockhausen aufgezeichnet. Von einmaligem Wert ist die Sammlung des historischen Bildmaterials, dessen Aussagekraft der des Textes ebenbürtig ist. Die Abgewogenheit der Schilderung wie auch die Reflexion über die Probleme der Quellenkritik, die sich aus einem aus örtlicher Erinnerung und Befragung von Zeitzeugen rekonstruierten Geschichtsablauf ergibt, machen die Brockhauser Chronik zu einem Stück lokaler Geschichtsschreibung, dessen sich jede Gemeinde glücklich schätzen kann. Von besonderem Wert ist die Herausarbeitung des evangelischen Gemeindelebens, das viele Entwicklungen im Ort erst verständlich werden läßt.
Der Brockhauser Chronik ist eine weite Verbreitung auch über den engeren örtlichen Bereich hinaus zu wünschen, denn sie zeigt exemplarisch die Möglichkeiten auf, die sich für zeitgeschichtliche Forschungen im lokalen Bezugsrahmen öffnen.
Dr. Edeltraud Klueting
Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes
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